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Nepomurks

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Ein tolles Buch mit vielen interessanten Denkanstößen, jedoch stellenweise wirklich sehr "religiös"!

Berge sind stille Meister: Spirituelle Begleitung auf dem Weg durchs Gebirge - Knut Waldau, Helmut Betz Berge sind stille Meister: Spirituelle Begleitung beim Weg durchs Gebirge - Knut Waldau, Helmut Betz

Berge sind stille Meister: Spirituelle Begleitung auf dem Weg durchs Gebirge - Knut Waldau,Helmut Betz 

 

„Berge sind stille Meister - Spirituelle Begleitung auf dem Weg durch die Berge“ von Knut Waldau und Helmut Betz aus dem Kösel-Verlag. Spiritualität, Religion und Tradition sind wohl seit jeher untrennbar mit den Bergen verbunden. Die Bewohner vieler Bergregionen wahren ihre alten Bräuche, ihre Sagen und sind selbst in der heutigen Zeit noch stark Gott verbunden. Im vorliegenden Buch werden viele dieser Inhalte aufgegriffen und herausgestellt. Es bietet zudem interessante Gedanengänge, Anregungen, Gedichtspassagen, Ratschläge und auch einige Tourenvorschläge, sowie viele Fotos und Darstellungen. Mir ist das Buch zunächst durch das, wie ich finde, sehr gelungene Cover und eine vielversprechende Inhaltsvorschau aufgefallen. Zwar haben mich zu Anfang noch einige recht religiöse Passagen und Psalmen verschreckt, doch es hat sich selbst für mich, die persönlich überhaupt keinen Bezug zu Religion hat, sehr gelohnt das Buch zu Ende zu lesen. Es umfasst im Verlauf viele beinahe philosophisch anmutende Inhalte, denen ich oftmals nur zustimmen konnte und deren Kernaussagen ich als ziemlich treffend ansehe. Ich habe mich beim Lesen dabei nicht so sehr auf die „religiösen“ und allzu „spirituellen“ Inhalte fokussiert, sondern mich eher von den Anregungen und Beiträgen tragen lassen. Schlichte Folgerungen, die sich teilweise gegen den mehr und mehr aufkommenden, stark touristisch geprägten „Bergkonsum“ richten und dagegen die Berge wieder als ein schroffes, aber auch bezauberndes Naturphänomen zurück in den Fokus der menschlichen Wahrnehmung setzen wollen. „Eins werden mit der Natur und mit sich“ lautet hier recht wohl grob betrachtet das Motto. Die Autoren versuchen dabei nicht zu belehren oder zu bekehren, sondern lenken das Augenmerk mit ihrem durchweg eingängigen Schreibstil auf eine Art „Genusspfad“. Der Blick soll sich wieder auf die Schönheiten der kleinen Dinge richten, nicht auf Seilbahn, Hütte und Tour – Selbstfindung ist erwünscht. Somit lauten auch einige der Unterkapitel „Ankunft und Aufbruch, Aufstieg, Atmen“. Waldau und Betz gehen hier ganz treffend auf die körperlichen Prozesse während eines Wandertages ein. Die eigene Wahrnehmung und ein Eintauchen in die Bergwelt werden dabei immer wieder hervorgehoben. „Der Weg ist das Ziel“. Derartige, sehr schlicht wirkende Aussagen füllen dieses Buch und werden immer wieder ergänzt durch Passagen aus bekannten Texten, lyrische Zitate und wundervolle Bergpanoramen. Das Buch schafft es schon bei der Lektüre eine gewisse Ruhe auf den Leser zu übertragen und versetzt beinahe in einen meditativen Zustand. Soviel zunächst zum ersten Teil des Buches. Im 2. Drittel widmen sich Waldau und Betz gar einigen Tourenvorschlägen und praktischen Hilfestellungen, auch für Gruppenführer. Hierzu muss ich sagen, dass ich die Mehrtagestouren für nicht erfahrene ‚Berggeher und -wanderer‘ als beinahe ungeeignet betrachte. Sicherlich ist die Selbsterfahrung und das „Einswerden“ mit der Bergwelt fernab von den üblichen Wanderwegen intensiver und erlebnisreicher – und immer zu empfehlen. Doch (wie die Autoren selbst mit einem sehr passenden Messner-Zitat schon anmerken) birgt die Höhe und der entlegenere Bergpfad (wenn man ihn denn als solchen überhaupt noch erkennen kann) auch große Gefahren, die man nicht außer Acht lassen darf und unbedingt berücksichtigen sollte. Im Ganzen betrachtet ist das Buch somit wohl ein wenig verklärend und durch die „spirituelle“ Note nicht immer absolut realistisch, sogar in der Summe eher ziemlich ‚verträumt‘. Man darf leider bei aller „Bergträumerei“ und Selbstfindungsprozesse nicht vergessen, beim nächsten Aufenthalt in den Bergen die Augen offen zu halten und trotz „Genussreise“ auf seine direkte Umgebung zu achten hat. Denn: Die Berge verzeihen keine Fehler! Man bedenke zudem für die praktische Umsetzung des Buches: Berge sind manches Mal alles andere als „ruhig“ oder "still". Wer einmal über Nacht in den Bergen war, wird wissen, was ich meine: Wasserläufe, Steinschläge und die Tierwelt – das alles verursacht in den Bergen einen sehr natürlichen „Krach“.. Dieser Kontext geht im Buch meiner Meinung nach ein wenig unter.. ;) Nichtsdestotrotz hat sich die Lektüre wirklich sehr gelohnt. „Berge sind stille Meister“ ist meines Erachtens ein tolles Gesamtpaket und es ist absolut lesenswert. Deshalb gute 4 Sterne.